Rant aus Dubinesien: Will You Be My BFF?

via Instagram/@goodnightmacaroon

Ich bin in einem Matriarchat aufgewachsen

Alleinerziehende Mutter
Drei Tanten
Eine Großmutter
Drumherum gab und gibt es Männer
Meinen Bruder Ein paar Halbbrüder Ein Opa Viele Großcousins
im allerbesten und mit viel viel liebevoller Zuneigung gefülltem Sinne Beistellfamilie

Im Schwimmbad in den Po zwicken Im Zimmer nach der aktuellen Busengröße fragen
Kichern weil es Opa ist der mit mir die erste Periode erlebt
Mich heimlich Es mitschauen lassen mich einkleiden in Kleidung die wir uns eigentlich nicht leisten können mich darin fotografieren weil erste Tochter in der dritten Generation
mit mir Kungfufilme nachstellen zeigen wie man einen Schlauch flickt und dabei Seide tragen kann
Ich atme keine Luft ich atme ihre Liebe
Sie sprechen eine eigene Geheimsprache sie sprechen ohne miteinander zu sprechen

Sie lehren mich sprechen nicht über die wirklich ernsten Themen sie lehren mich diese alleine zu klären sie lehren mich dass Alleinesein keine Vereinsamung ist
Wie auch wir waren es nicht

Kindergarten Grundschule Schule erlebe ich beinahe alleine
Sie taucht immer wieder auf dieses Mädchen sie die mir eine freundschaftliche Vorstellungskraft gibt bevor sie sich erfüllt endet sie
kein guter Umgang zu komisch zu arm zu still

Zurückweisung nehme ich dank obigen Absatz nicht als solche wahr
Ich vermisste nichts

Sie haben mich gesehen sie mich geschützt sie haben mich akzeptiert


Auszug in die Stadt größer als die bisherige
Ich lernte über Jungs ihre Mitbewohnerinnen Freundinnen Bekanntinnen kennen
über Kneipenjobs Kolleginnen übers späte Studium Leidensgenossinnen über politische Engagements Gleichgesinnte
die Mutter die Tanten die Oma werden zur Mutter, zu Tanten, zur Oma
Manchmal da war es wie die grosse Liebe wie man sie in Filmen sieht
Über das was nach einem Happy End passiert darüber dreht nur leider niemand einen Film es fehlen Anhaltspunkte Verhaltensvorschläge Problemlösungen
Es kamen Hochzeiten Kinder manchmal aber auch einfach nur ja was denn eigentlich
Es endet auch hier Es endete zu schlechte Freundin zu komisch zu laut

Trotz meines matrilinearen Verwandtschaftssystem habe ich nur Männer in meinem Leben
die allerbesten und für die ich viel viel liebevolle Zuneigung empfinde
die meine freiwillige Familie in der Stadt sind

Meine Psychoanalytikerin würde mich fragen
Was haben diese Frauen gemeinsam
Mich
Finde also den Fehler
Mich
Das denk ich mir


Verdrängung wurde längst verdrängt

Was also muss ich anders machen um von Mädchen Frauen weiblich gelesenen Menschen
die mich nicht angeborener Weise mögen müssen
gesehen geschützt akzeptiert zu werden
[und wieso eigentlich sprechen wir überhaupt von weiblicher männlicher Freundschaft]

Denn ich will das was Bücher Filme Erzählungen Serien über Frauenfreundschaften propagieren
Wein trinken über Veränderungen im am Körper sprechen
eine Mountainbike-Gang gründen Blut austauschen betrunken sein Schabernack treiben von mir aus auch Kleidung tauschen
Bis ich Antworten gefunden habe bis ich verstehe vielleicht auch bis ich akzeptiert habe
lasse ich meine Mutter meine Tanten meine Oma
über meinen Netflix-Account Gangsterserien schauen fotografiere sie in ihren bunten schönen Kleidern die sie bei der Arbeit nicht tragen können repariere ihre Fahrräder während ich Seide trage

Hinweis: Die Beiträge aus „Rant aus Dubinesien“ sind absolut subjektiv, recherchefrei, unreflektiert und ausdrücklich zum motzen gedacht.

der Freitag Community, 25.07.2022

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