Der TV-Koch rappt im Netz

 

Vice, das Popboulevard-Magazin, hat sich einen Star gezüchtet: Action Bronson heißt er, und sein neues Album erscheint bei – Überraschung – Vice Records. Durch den medialen Rückenwind ist der Status dieses beleibten US-Rappers durchaus vergleichbar mit dem von Lana Del Rey, nur dass Mopsbacke im Internet abgefeiert wird, wo die Zielgruppe von Vice zu Hause ist.

Anders als bei der Sängerin ist auch, dass Bronson keine Kunstfigur ist. Statt über Gewalt zu fantasieren, ist die Küche Bezugspunkt seiner Songtexte. Und das zeigen die 13 Tracks auf „Mr. Wonderful“ sehr anschaulich. Action Bronson rappt richtungsweisend für seinen Körper in dem Track „Falconry“: „Don’t try to put me in the box like a tissue /Cause I push you in the box with a pink suit.“ Eingeleitet wird „Mr. Wonderful“ mit dem von Mark Ronson produzierten Track „Brand New Car“. Er rührt ein Soundgewusel aus Klavierakkorden, Gitarrenriffs und HipHop-Beats an. Dazu gibt es Passagen aus Billy Joels Hit „Zanzibar“.

Arian Arslani – wie Action Bronson bürgerlich heißt – studierte Kunst und arbeitete als Koch, bevor er durch seine Kochsendung „Action in the Kitchen“ und das Vice-TV-Magazin „Fuck, That’s Delicious“ bekannt wurde. Darin geht es um die Baklava seiner Tante, oder Handtattoos.

In dem Song „Galactic Love“ poetisiert er seinen Körperumfang. Produziert von The Alchemist, der auch für Nas am Mischpult saß, kristallisiert sich dessen Einfluss heraus: Die unaufgeregte Art, seine Punchlines mit Jazz-Basslines und sanften Drums vorzutragen, macht Action Bronson eingängig: „At the piano with a glass of Pino / All red silk like I’m nino / Custom made shit, I weigh 140 kilos.“ Der Track „Easy Rider“ klingt nicht nur nach einer Hommage an den gleichnamigen Hippiefilm, Action Bronson lässt es sich auch nicht nehmen, die Zeile „Ride the Harley into the sunset“ im Refrain zu wiederholen und im Video als Fonda/Hopper-Lookalike zu posieren. „A Light in the Addict“ und „City Boy Blues“ klingen wie eine Zeitreise durch Papas Vinylsammlung, Soulsamples und rührselige Texte wie „Fuck that / I want the crown off anybodys head / I wouldn’t care if everybody’s dead“ inklusive. Insgesamt ist „Mr. Wonderful“ ein ausgewogenes Mixtape-Gänge-Menü. Reinpfuschen lässt sich Bronson nicht, er paart Old-School-HipHop mit frischen Fernsehkochzutaten.

taz. die tageszeitung, 17.04.2015

 

 

 

 

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